Obwohl Battambang mit 250.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes ist, wird sie von vielen Touristen bei der Planung ihrer Reiseroute durch Kambodscha übersehen. Dabei wird Battambang, trotz seiner Größe, als verschlafene Provinzstadt angepriesen, die mit der besterhaltenen französischen Kolonialarchitektur des Landes auffährt, dank einer entspannten Atmosphäre zum gemütlichen Verweilen einlädt und bester Ausgangspunkt ist, um das echte Leben im ländlichen Kambodscha kennenzulernen. Außerdem lockt Battambang mit einem ganz besonderen Highlight: Eine Fahrt mit dem bekannten Bamboo Train oder Norry, wie die Bambusbahn von den Einheimischen genannt wird.

Nach den vielen Tempeln von Angkor Wat wollten wir diese andere Seite von Kambodscha kennenlernen und fuhren mit dem Boot von Siem Reap nach Battambang, um uns selbst ein Bild zu machen. Dort angekommen stellten wir schnell fest, dass die verschlafene Provinzstadt-Atmosphäre, die uns erwarten sollte, kein leeres Versprechen war. Nun ja, „verschlafen“ traf es nicht ganz. Die Straßen waren leergefegt, viele Läden waren geschlossen, kaum eine Menschenseele war unterwegs. Battambang glich einer Geisterstadt! Manchmal war die Ruhe richtig unheimlich. Das konnte ja lustig werden. Schnell fanden wir heraus, dass wir Battambang während des Pchum Ben Fests besuchten, an dem die Khmer aus den Städten zu ihren Familien in die ländlichen Dörfer reisen. Doch auch nach dem Fest wurde es nicht gerade lebhafter in Battambang. Und auch sonst hatte die Stadt für uns nicht wirklich viel zu bieten. Also suchten wir, nach ein paar wirklich entspannten Nachmittagen im schönen Choco L’Art Café und einer Cooking Class im Coconut Lyly Restaurant, nach einem einheimischen Tuk Tuk-Fahrer, der uns die ländliche Umgebung von Battambang zeigen sollte.

Schnell hatten wir ihn online gefunden, den Guide unserer Wahl: Savet! Savet ist in der Umgebung von Battambang aufgewachsen und kennt dementsprechend die Gegend mehr als hervorragend. Außerdem ist er ein ehemaliger Englischlehrer, spricht also wirklich ausgesprochen gut Englisch, und hat Wirtschaft studiert, sodass er neben seinem unglaublichen Wissen über die Geschichte des Landes auch viel über das heutige Kambodscha erzählen konnte. Perfekt! Per E-Mail vereinbarten wir mit ihm den Treffpunkt für den nächsten Tag und freuten uns auf unsere Tagestour durch die Countryside von Battambang.

 

Wat Ek Phnom

Aus der Stadt heraus ging es vorbei an grünen Reisfeldern zunächst in Richtung Norden zum Ek Phnom Tempel. Für 3 USD schlenderten wir durch die Ruinen und die angrenzende Pagode. Dank Savets informativer Geschichten war dies trotz der leichten „Tempel-Müdigkeit“, die wir nach den drei Tagen in Angkor Wat verspürten, einen Besuch wert. Außerdem besuchten wir die benachbarte Schule und durften miterleben, wie die Kinder dort unterrichtet werden. Für uns ein wirklich spannender Einblick in das echte Leben in Kambodscha.

 

 

 

 

 

 

Ländliche Dörfer und regionales Handwerk

Unsere weitere Fahrt führte uns durch zahlreiche ländliche Dörfer und wir bekamen einen Einblick in das traditionelle, regionale Handwerk, womit sich noch heute viele Dorfbewohner ihren Lebensunterhalt verdienen. Wir beobachteten die Herstellung von Reisnudeln, halfen in einem Familienbetrieb Reispapier zu machen, das für die landestypischen Frühlingsrollen genutzt wird und versuchten uns am Webstuhl, an dem traditionelle Khmer Schals in Handarbeit gewebt werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir schnitten und trockneten Bananen bei einer Dame, die neben dieser Arbeit auch Reifen von Motorrollern flickt und ungeniert zwischen beiden Arbeiten mit schmutzigen Händen hin und her wechselt. Wir probierten traditionellen Bamboo Sticky Rice, Klebereis mit Rosinen, den man als kleinen Snack zwischendurch mit den Fingern aus einem Bambusrohr isst.

 

 

 

 

 

 

 

Und insbesondere zu Martins Vergnügen besuchten wir den Fischmarkt, auf dem hauptsächlich Fischpaste in einer nicht ganz hygienischen Umgebung hergestellt wird. Anschließend hat uns Savet mit in sein Dorf genommen und uns gezeigt, wo er aufgewachsen ist. In Hängematten ruhten wir uns bei seiner Familie aus, die uns mit der größten Gastfreundlichkeit empfing und erhielten tiefe Einblicke in den Alltag der Khmer. Wirklich ein großartiges Erlebnis!

 

 

 

 

 

 

Killing Fields

Unsere Weiterfahrt führte uns zu den Killing Fields im Dorf Somrong Krong. Betroffen und erschüttert lauschten wir Savets Erzählungen über die dunkle Geschichte Kambodschads und die Massenmorde der Roten Khmer, die während der Herrschaft von Pol Pot zwischen 1975 und 1979 an der Bevölkerung begangen wurden. Um die Gesellschaft gewaltsam in einen Agrarkommunismus überzuführen, wurde die Bevölkerung vollständig aus den Städten vertrieben, versklavt und zur Zwangsarbeit auf den Reisfeldern gezwungen. Unzählige Menschen wurden qualvoll ermordet. Zahlreiche historische Stätten in Kambodscha gedenken den Opfern und zeigen Totenköpfe und andere menschliche Überreste der Opfer. Ein erschütterndes Erlebnis.

 

 

 

Killing Caves von Phnom Sampeau

Am späten Nachmittag erreichten wir den Phnom Sampeau Berg, dessen Spitze wir nach einem 20-minütigen Aufstieg über unzählige Treppen durch den Dschungel schwitzend und völlig außer Atem erreichten. Neben einer Pagode empfängt einen hier jedoch ein traumhafter Blick über die weite, grüne Landschaft, die Battambang umgibt, was den Aufstieg mehr als entschädigt. Vorsicht ist jedoch geboten vor den kleinen, frechen Affen, die gerne Dinge von unachtsamen Besuchern stibizen. 

 

 

 

 

 

Neben der heutigen Idylle beherbergt der Berg auch einen düsteren Ort: die Killing Caves, eine Höhle, die trotz des liegenden Buddhas und des Dufts von Räucherstäbchen in der Luft kein spiritueller Ort ist, sondern eine Gedenkstätte für die zahlreichen Opfer, die von den Roten Khmer durch einen Felsspalt vom Gipfel des Berges in diese Höhle gestoßen wurden und so qualvoll sterben mussten. Es dämmerte bereits, die Totenköpfe hinter einer Glasscheibe waren nur noch schemenhaft zu erkennen und die Stimmung in dieser Grotte war bedrückend und gespenstisch. Schnell stiegen wir die Treppen wieder empor und waren froh, als wir zurück an der Erdoberfläche waren.

 

 

 

 

Bat Cave

Da es schon etwas später war, eilten wir den Berg hinunter zum Bat Cave. Jeden Abend fliegen hier unzählige Fledermäuse aus einer Felsspalte in Richtung Tonle Sap See, um dort Nahrung zu suchen und kehren vor der Morgendämmerung zurück. Kurz bevor es dunkel wurde, wurden wir Zeuge dieses unfassbaren Spektakels. Erst vereinzelt, dann als dichter, schwarzer Strom am Himmel flogen die Fledermäuse in Scharen aus der Höhle. Ein unschöner Geruch von Ammoniak lag in der Luft. Lange beobachteten wir fassungslos dieses Schauspiel, bis wir uns schließlich in der Dunkelheit auf den Heimweg machten, noch einige Zeit begleitet von dem schwarzen Fledermaus-Strom, der den Nachthimmel durchzog.

 

 

 

 

Mit unzähligen Eindrücken kamen wir nach zehn Stunden in unser Hotel zurück und waren froh, Battambang auf unserer Reise durch Kambodscha einen Besuch abgestattet zu haben. Aber ein Erlebnis unseres Tages fehlt natürlich noch: Die Fahrt mit Norry, dem Bamboo Train. Wie viel Spaß wir hierbei hatten, erfährst Du im nächsten Artikel. Also dran bleiben ;)

 

Lust auf mehr? Hier findest Du unsere Bilder von der Tuk Tuk Tour durch Battambangs Countryside.


Für Entdecker: Die Tagestour mit Savet kostet 24 USD pro Person, die Halbtagestour 16 USD. Wenn Du einen tiefen Einblick in den Alltag der Khmer bekommen und viel über die Geschichte, Land und Leute lernen möchtest, können wir Dir die Tour mit Savet nur empfehlen! Weitere Informationen findest Du hier: Savets Homepage, Savet auf Facebook und auf TripAdvisor

  

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